Die Wahl fällt auf vier Sportstätten

Als am 26. Januar 1956 im Dolomitenort Cortina d`Ampezzo die VII. Olympischen Winterspiele beginnen, ist die italienische Post pünktlich zur Stelle. Am Eröffnungstag erscheint eine aus vier Marken bestehende Sonderserie, die der Künstler Corrado Mancioli (1904-1968) entworfen hat. Der in Cortina an diesem Tag abgefertigte Inlands-Einschreibebrief mit dem kompletten Satz enthält zusätzlich eine Werbevignette mit dem Logo der Spiele. Der Brief wird um 12 Uhr abgestempelt, zu dieser Zeit ist im Eisstadion die Eröffnungszeremonie seit einer halben Stunde im Gange. Cortina ist im dritten Anlauf am Ziel der Wünsche. Die Winterspiele 1944 in dem 1224 Meter hoch gelegenen Städtchen müssen wegen des Zweiten Weltkrieges ausfallen. Die Bewerbung für 1952 endet mit einer Niederlage gegen Oslo.
Für Markengestalter Mancioli, ein Ingenieur aus Rom, ist es die zweite direkte Begegnung mit Olympischen Spielen. Bei den Kunstwettbewerben der Sommerspiele 1936 in Berlin beteiligt er sich in der Kategorie Malerei und Grafik mit den drei Werken ,,Gedränge im Rugby“, ,,Eisfläche“ und ,,Muskelriss“, bleibt aber ohne Platzierung ebenso wie sein Bruder Ottorino, der in derselben Gattung gleich mit fünf Plakaten vertreten ist.
Corrado Mancioli entwirft etwa 50 Poster für kulturelle und Sportveranstaltungen. Von ihm stammt ein Plakat für die Rad-Weltmeisterschaft 1939 in Mailand und für das Fußball-Qualifikationsspiel 1949 zwischen Italien und Belgien zur Weltmeisterschaft 1950.
1956 fügt der Italiener, der auch San Marinos Sportmarkenserien 1955 und 1960 gestaltet, der Philatelie eine Neuheit hinzu: Erstmals auf Briefmarken werden olympische Sportstätten abgebildet. Der Wert 10 Lire zeigt die Sprungschanze ,,Trampolina Italia“ mit dem 2701 Meter hohen Dolomitenberg Croda da Lago im Hintergrund. Auf der Marke mit dem Nennwert 12 Lire ist das Skistadion abgebildet, das den Langläufern als Start und Ziel dient. Das Eisstadion ist auf der Marke zu 25 Lire zu sehen. Im Stadio del Ghiaccio werden die Eröffnungs- und Abschlussfeier sowie die Wettkämpfe im Eiskunstlauf und das Eishockey-Turnier ausgetragen. Der mit 60 Lire höchste Wert hat als Motiv die Eisschnelllauf-Bahn auf dem Misurina-See, der 13 Kilometer von Cortina entfernt liegt.
Die 1750 Meter hoch gelegene Eisschnelllauf-Naturbahn sorgt vor den Spielen für einigen Ärger. Denn die Italiener bekommen von der Internationalen Eislauf-Union (ISU) die Auflage, die Wettbewerbe auf künstlichem Eis auszurichten. Dem Organisationskomitee sind jedoch die Kosten für eine Kunsteisanlage zu hoch. Schließlich bleibt der ISU nichts anderes übrig, als der italienischen Variante zuzustimmen. Auf dem Eisring ist Jewgeni Grischin mit zwei Olympiasiegen über 500 Meter und 1500 Meter am erfolgreichsten, wie überhaupt die Mannschaft der UdSSR bei ihrem olympischen Winter-Debüt für Paukenschläge sorgt. An ihre sieben Gold-, drei Silber- und sechs Bronzemedaillen reicht kein anderes Team nur annähernd heran, wobei der Eishockey-Olympiasieg vor den USA und Rekord-Gewinner Kanada besonders prestigeträchtig ist.
Der Star der Spiele von Cortina ist aber ein erst 20-Jähriger Österreicher. Anton ,,Toni“ Sailer führt auf den alpinen Pisten alle anderen vor und gewinnt, was es zu gewinnen gibt: den Abfahrtslauf, den Slalom und den Riesenslalom. Der Strahlemann aus Kitzbühel wird danach von Angeboten der Filmindustrie und Firmen überhäuft und ruft die strengen Hüter des Amateurismus auf den Plan. Die Deutschen betreten erstmals mit einer gemeinsamen Mannschaft die olympische Bühne. Die 75 Sportler aus der Bundesrepublik und der DDR bilden das zweitgrößte Team nach Gastgeber Italien (79).
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